Was ist Ramadan?

Wieder ist ein Jahr verstrichen, diese Woche wird in der Islamischen Welt der Ramadan beginnen. In den Emiraten beginnt dieser voraussichtlich am kommenden Mittwoch.

Aber was genau ist der Ramadan?
Im Islam gibt es zahlreiche freiwillige Fasttage. Trotzdem gibt es eine Fastenzeit, die für jeden Muslim Pflicht ist. Die Fastenzeit während des ganzen Monats Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams. Der Monat Ramadan entspricht immer dem neunten Monat im islamischen Kalender.

Jahr für Jahr fasten die gläubigen Muslime einen ganzen Monat lang. Vom ersten bis zum letzten Tag des Ramadans essen und trinken die Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts. Morgens beginnt das Fasten dann, wenn man einen weißen Faden von einem schwarzen mit bloßem Auge unterscheiden kann.
Das Verzichten auf Essen und Trinken ist aber bei weitem noch nicht alles. Körper und Geist sollen einen Monat lang zur Ruhe kommen, es ist Selbstbeherrschung angesagt. Während der Fastenstunden darf man auch nicht rauchen, fluchen oder streiten, keinen Geschlechtsverkehr haben und soll unmoralische Gedanken meiden.
Das heißt natürlich nicht, dass man all diese Sachen nach Sonnenuntergang tun soll oder darf. Der Ramadan ist ein „Time-Out“ für alle Sinne; hören – sehen – riechen – fühlen – schmecken. Das Fasten bezieht sich somit also auf alle Körperteile: Der Magen bekommt nichts zu essen und zu trinken. Die Ohren sollen keine schlechte Sprache hören. Die Zunge soll keine schlechten Worte sprechen. Die Hände sollen nichts Schlechtes tun und die Füße sollen einem nicht an schlechte Orten führen. Die Augen sollen nicht auf Verbotenes gerichtet werden und die Nase soll nichts Übelriechendes einatmen. Die Gedanken sollen sich hauptsächlich auf Gott und den Gottesdienst konzentrieren.

Was ist der Zweck des Ramadans?:
– Die Reinigung der Körperorgane, und der oftmals daraus erfolgenden Heilung von Krankheiten.
– Der Stärkung der Selbstdisziplin, die die Kontrolle über seine Sinne und Triebe zur Folge haben soll.
– Des Erlebens von Hunger/Durstgefühlen und des daraus resultierenden Mitgefühls/Hilfe für ärmere Menschen.
– Die Chance, sich von schlechten Gewohnheiten zu trennen (z.B. Rauchen oder zu viel essen).
– Die Zeit, die man durch Weglassen von Essen/Trinken etc. spart, soll der Religion bzw. Gott gewidmet werden.
– Der Erfüllung einer der Hauptsäulen des Islams und der daraus erfolgenden Belohnung Gottes, bzw. die Vergebung von Sünden.

Das Fasten wird zur Zeit des Machreb-Gebets (direkt nach Sonnenuntergang) gebrochen. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Fastenden kaum noch Hunger und essen nur wenig, wie zum Beispiel eine Suppe oder Datteln. Nicht desto trotz ist es Tradition, dass man das Fasten gemeinsam mit der Familie bricht, wenn dies möglich ist.

Die Hauptmahlzeit wird in der Regel erst ein paar Stunden später eingenommen.

Nach dem Fastenbrechen finden allabendlich die Tarawih-Gebete in den Moscheen statt, die lediglich im Ramadan erfolgen. Im Verlauf des Monats wird der gesamte Koran in diese Gebete eingebunden. Jeden Tag wird demnach ein anderer Teil des Korans in diesen Gebeten rezitiert.

Das Fasten kann einen sehr müde machen, so dass man oft keine Energie dazu hat, nachts noch viel zu unternehmen. Morgens ist man ja bereits vor Anbruch der Dämmerung wieder auf den Beinen und isst noch eine Kleinigkeit, damit man für den kommenden Fastentag gestärkt ist.

Es gibt sicherlich Menschen, die den ganzen Tag fasten und die dann abends essen, soviel sie können. Im Islam gilt dies jedoch nicht als fasten. Nach der Überlieferung soll man maximal 1/3 des Magens mit Essen füllen, maximal 1/3 mit Wasser und das letzte Drittel soll leer bleiben. Es ist nicht im Sinne der Religion, zu irgendeinem Zeitpunkt übermäβig viel zu essen. Es ist auch keineswegs im Sinne des Islams, den ganzen Tag zu schlafen und dann erst nach dem Fastenbrechen aufzuwachen, sowie es manche handhaben. Sie machen einfach den Tag zur Nacht und umgekehrt. Das Leben soll jedoch im Ramadan ganz normal weitergehen; man geht morgens zur Arbeit und kommt abends nach Hause.

Viele Gläubige reisen während des Ramadans oder zu den anschließenden Feiertagen nach Mekka, um dort eine sogenannte „Umra“ zu vollziehen. Diese kleine Pilgerfahrt ist nicht gleichzustellen mit der Hadsch, der großen Pilgerreise.

Würden Sie gerne mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, einen Monat lang so zu fasten? Es ist viel einfacher als es sich anhört und man hat ja schließlich gleichzeitig die Unterstützung der Gesellschaft. Nach den ersten drei Fasttagen verspürt man meistens keinen Hunger oder Durst mehr während der Fastenstunden. Der Körper stellt sich sehr schnell um. In den VAE werden zudem die offiziellen Arbeitszeiten um zwei Stunden gekürzt. Wer normalerweise acht Stunden arbeitet, kann also im Ramadan schon nach sechs nach Hause gehen….ohne Mittagspause versteht sich!

Ausgenommen vom Fasten sind nur psychisch oder physisch kranke Menschen und Kinder bis zur Geschlechtsreife. Nicht fasten müssen Reisende als auch Frauen die entweder schwanger sind, stillen oder ihre Tage haben. Jedoch müssen sie die Fastentage während des Jahres nachholen.

Am Ende des Fastenmonats finden die drei islamischen Feiertage, Id-al-Fitr, statt.

Das Leben kehrt danach wieder in den gewohnten Alltag zurück, wobei man hoffentlich ein paar Laster hinter sich lassen kann.

Touristen oder Nichtmuslime in den Emiraten müssen sich während des Ramadans, wenn sie in der Öffentlichkeit sind, an die Fastenregeln halten. Das heißt, in der Öffentlichkeit nicht essen, trinken, rauchen, Zärtlichkeiten austauschen, sich freizügig kleiden oder fluchen/schimpfen.

Ursprung des Ramadans
Entgegen der Auffassung vieler Menschen, ist das Fasten im Monat Ramadan keine islamische Erfindung. Der Koran sagt in dieser Hinsicht:
„O, die ihr glaubt, Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf daß ihr rechtschaffen werdet.“
Das Fasten während des neunten Monats des Mondkalenders wurde bereits in anderen Offenbarungen erwähnt und wurde von vielen Völkern praktiziert. Auch im Alten Testament (Jeremiah 36:9) wird davon berichtet.

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Ein Kommentar zu "Was ist Ramadan?"

  1. Christina Cencherle says:

    Fasten ist grundsaetzlich etwas gutes. In der christlichen Welt gin
    bt es das Fasten vor Ostern heute auch noch. Allerdings entscheidet heute jeder fuer sich persoenlich ob er an dieser Fastenzeit teilhaben moechte. Einbischen mehr Time out wuerde allerdings mehr denn je gut tun.

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