Hausmädchen in den Emiraten: aus der Perspektive des Arbeitgebers

Der Traum vom Hausmädchen im eigenen Heim. Nie mehr Wäsche machen oder bügeln, nie mehr abstauben und Fenster reinigen, dreimal täglich an einen gedeckten Tisch sitzen mit allerlei Leckereien zur Auswahl! Der Traum von eigenen Hausangestellten gehört in Dubai zum Alltag. In den Emiraten ist es normal, dass man Hauspersonal hat. Egal ob Fahrer, Gärtner, Kindermädchen oder Hausmädchen – sie sind in fast jedem Haushalt anzutreffen, egal ob bei Einheimischen oder bei Ausländern.

In den Medien wird gerne und oft über „Versklavungen“, Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen von Hauspersonal berichtet. Wie schon mal in einem unserer früheren Artikel zu diesem Thema erwähnt, wollen wir nicht verneinen, dass es auch solche Fälle gibt. In jedem Land gibt es Menschen, die andere ausnutzen und misshandeln. Leider. Aber das ist nicht die Norm. Die meisten Hausangestellten haben hier ein gutes Leben und sind ein Teil der Familie. Viele bleiben jahrzehntelang beim selben Arbeitgeber und wollen gar nicht mehr in ihre Heimat zurück. Aber das Thema heute soll nicht sein, dass es auch Housemaids gibt die ein schönes Leben haben in den VAE, sondern wir wollen mal darüber schreiben, was man als Arbeitgeber von Hausangestellten alles so erleben kann. Denn wer noch nie eigenes Personal hatte, wird mit Sicherheit viele Überraschungen erleben, manche davon sind folgenschwer.

Das Problem beginnt damit, dass die Hausmädchen gar keine sind. Zumindest nicht so, wie wir es uns vorstellen. Denn für einen normalen monatlichen Arbeitslohn zwischen AED 1500 – 2500 plus Kost und Logie, findet man nur unausgebildete Menschen, meist aus extrem armen Verhältnissen, die oft alleinige Brotverdiener ihrer gesamten Familie zuhause sind. Waschmaschinen und Kochherde haben die in ihrer Heimat nie bedient. Viele kommen mit gefälschten Papieren ins Land in denen ihr Name und Geburtsdatum geändert wurde. Dies weil man das Mindestalter für Auslandsarbeit umgehen möchte. Manche sind gerade mal 14 Jahre alt aber gemäß Reisepass sind sie 10 Jahre älter.

Als Arbeitgeber muss man in den Emiraten nicht gerade wenig Geld bezahlen, um ein Hausmädchen vom Ausland einfliegen zu lassen, alle Papiere zu erledigen und die ganzen Kommissionen und Deposits zu berappen. Das Arbeitsvisum für Hausmädchen in nicht-emiratischen Haushalten wird nur für eine Dauer von 1 Jahr ausgestellt (in emiratischen Haushalten für eine Dauer von 2 Jahren), somit wird man jedes Jahr erneut zur Kasse gebeten. Selbst wenn man alles zahlt und die neue Angestellte nach einem Monat findet, dass sie keine Lust hat in der Familie zu arbeiten, kann sie den Arbeitgeber verlassen. Man hat dann keine andere Wahl ausser wieder von vorne zu beginnen, jemand anders zu suchen und erneut zu zahlen.

Jedes Hausmädchen muss in der Regel zuerst angelernt werden. Denn sie sind keine ausgebildeten Kräfte die einen Abschluss in einer Hauswirtschaftsschule haben oder einmal in einem Hotel die Zimmer gemacht haben, sondern einfach ungelernte Menschen, die für wenig Geld bereit sind vom Arbeitgeber zu lernen, wie man einen Haushalt führen sollte. Viele dieser Menschen waren gar nie in der Schule oder wenn, dann nur in der Primarschule. Wenn man Glück hat, spricht oder versteht das Personal einigermassen gut Englisch, damit man auch richtig kommunizieren kann. Noch komplizierter wird es, wenn die Arbeitgeberfamilie Kinder hat und das Hausmädchen auch auf diese aufpassen soll. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema. Ein Hausmädchen anzustellen ist demnach nicht nur eine finanzielle Investition des Arbeitgebers sondern in erster Linie eine Investition der Zeit, denn jemandem beizubringen wie man einen Haushalt richtig führt und kocht, geht leider nicht in 3 Tagen.

Klar, es gibt hier ausgebildetes Hauspersonal mit richtigen Referenzen und allem drum und dran, aber deren Gehälter kann sich die durchschnittliche Familie in Dubai nicht leisten. Eine Gouvernante aus England arbeitet eben nicht für AED 2000 plus Kost und Logie (ca. 400 Euro im Monat). Da muss man schon zehnmal so viel berappen können.
Bereits beim Interview kann man so Allerlei erleben und ich erinnere mich besonders an eine Dame, die wohl eine extrem schlechte Erfahrung bei ihrem vorherigen Arbeitgeber hatte. Sie schockte uns richtig mit ihren Fragen. Muss ich bei euch auf dem Küchenboden schlafen oder darf ich in eurem Schlafzimmer am Boden schlafen? Dann versicherte sie mir dass sie extrem gehorsam sei und gerne meine Sklavin wäre. Den Rest könnt ihr euch denken aber genügt zu sagen, dass wir sie nicht angestellt haben…

In den letzten Jahren hatten wir immer wieder diverse Hausmädchen und wir könnten einige Bücher mit unseren Erlebnissen füllen, gute, schlechte als auch lustige. Manche haben auch richtig Schaden angerichtet wie zum Beispiel damals, als ein Dienstmädchen unseren Persischen handgeknüpften Teppich bei 60 Grad Celsius in der Waschmaschine reinigte. Selbige hat auch unsere Vorhänge um mindestens 10 cm geschrumpft. Einer meiner Lieblingserinnerungen ist immer noch die als eine unserer Housemaids den grüngelben Küchenschwamm auf einem Teller in den Kühlschrank stellte, weil sie meinte, es sei ein Stück Kuchen.
Nach so vielen Jahren Erfahrung mit ungelerntem Personal aus aller Welt, haben wir festgestellt, dass sich einige Charakterzüge besonders oft wiederholten. Wir wollen uns hier nicht über Leute lustig machen, aber dies war unsere persönliche Erfahrung.

  • Der Terminator – wirft alles weg was ihnen grad passt. Rechungen, Zeitungsartikel, Magazine die „zu lange“ auf dem Tisch liegen, halbverbrauchte Shampooflaschen.
  • Der Markenjunkie – putzt generell nur mit Markenartikeln die aus TV bekannt sind. Lieber Omo als was anderes. No-Names nehmen sie nicht in die Hand. Sammelt zudem gefälschte Gucci-Taschen.
  • Der Wissenschaftler – was wohl passiert wenn man diese zwei Reinigungsmittel zuerst miteinander vermischt? Wie sehen Socken aus wenn man sie mit Pif-Paf (Anti-Insektenmittel) behandelt?
  • Der Illusionist – kann deine Sachen im Haus so verschwinden lassen, dass du meinst, sie haben sich im Nichts aufgelöst. Erst Monate später findest du sie wieder, eventuell in einem Kochtopf.
  • Der Tollpatsch – die Gläser fallen ihnen durch die Hände und die Wäsche fliegt zum Nachbarsgarten weil sie nicht festgeklammert wurde. Die Küche ist total verraucht weil der Braten im Ofen verkohlt ist.
  • Das Schweinchen – hat keinen Hygienesinn. Muss zum Duschen, Händewaschen und Zähneputzen gezwungen werden und findet dass die Klobürste auch zum Reinigen der Dusche geeignet ist.
  • Der Karitative – wäscht auch die Wäsche seiner Verwandten in Dubai in deiner Waschmaschine. Findet Jobs für seine Verwandten und alles was man in den Eimer wirft wird erst einmal durchsucht für eventuelle Mitbringsel am Wochenende.
  • Der Smartphone-Guru – hat mindestens zwei Smartphones und Profile auf allen Sozialen Medien. Kann ohne Wi-Fi und What’s App nicht leben.
  • Der Parasit – theoretisch ein Angestellter des Hauses, glaubt aber dass alles was deins ist auch seins ist. Haarbürste, Schuhe, Tampons und Nagellack inklusive.

Um die ganze Problematik mit dem Ausbilden der Hausmädchen zu lösen, gibt es seit wenigen Jahren spezialisierte Trainingsinstitute. Egal ob das Personal lernen soll zu waschen, zu kochen oder richtig zu putzen – es wird alles angeboten. Auch wir haben diesen Monat ein solches Training in Anspruch genommen und zwar von theperfecthelp.com. Der Trainer kam zu uns nach Hause und brach unserem Personal bei, wie man richtig und professionell putzt, nach Fünfsternestandard. Der Trainer war selber mehrere Jahre lang im Housekeeping von führenden Fünfsternehotels tätig und hatte ein sehr gutes Auge für Details. Zuerst beobachtet er das Personal bei der Arbeit und im Anschluss lernten sie die „korrekten“ Techniken. Wir waren sehr begeistert und sahen schon am nächsten Tag dass die Aktion sich gelohnt hatte. Der Trainer schickte uns nach Abschluss eine Einkaufsliste zu mit Sachen und Utensilien, die im Haus fehlten und essentiell für die Reinigung sind. Zudem erhielten wir einen kompletten Bericht nach Abschluss mit Fotos vorher-nachher und den Techniken, die das Personal gelernt hat. Theperfecthelp bietet Kurse für jeweils maximal zwei Hausmädchen im Komfort des Eigenheims an als auch im Gruppenunterricht in ihren Seminarräumlichkeiten entlang der Sheikh Zayed Road. Preislich liegen die Kurse in einem akzeptablen Rahmen, besonders wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Ärger man sich damit sparen kann.
Obwohl die Suche nach einem guten Hausmädchen oft langwierig und umständlich ist, lohnt sie sich am Ende wenn man jemanden finden kann der vertrauenswürdig ist und einem zumindest das Grobe an Hausarbeit abnimmt. Es ist definitiv ein Luxus, den die meisten Expats sehr vermissen, wenn sie die Emirate verlassen.

verfasst von

Weitere Artikel zum Thema:

Ein Kommentar zu "Hausmädchen in den Emiraten: aus der Perspektive des Arbeitgebers"

  1. Habbibi says:

    Die Darstellung ist nicht übertrieben. Es ist nur zu hoffen dass das Investment mit dem Trainer langfristig Erfolg hat. Die „Festplatten“ der MAIDS sind leider sehr anfällig.
    Trotzden alles Gute wenns funktioniert.
    MfG

    Antworten

Kommentar hinterlegen

Möchtest du deine Meinung loswerden?
Hinterlasse einen Kommentar!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>