Geschichte und Landesgründung

Es mag vielleicht erstaunen, aber die VAE haben eine lange Vergangenheit vorzuweisen. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat man außer Landes nicht allzu viel von dieser Wüstengegend vernommen. Noch heute haben viele Menschen weltweit eine falsche Vorstellung über die Geschichte als auch über das jetzige Leben auf der Arabischen Halbinsel.

In der historischen Literatur gab es zwar einige Hinweise auf das Bestehen wichtiger Siedlungen und Häfen in der Region, jedoch hat man erst in den 1960er mit den ersten konkreten Ausgrabungen begonnen.

Bis zu 7000 Jahre alte Funde beweisen heute, dass es auf dem Gebiet der heutigen VAE bereits mehrere Siedlungen gab. Die bisher ältesten Funde stammen von einer dem Emirat Abu Dhabi zugehörigen Insel mit dem Namen Marawah. Die Stätte stammt aus der Steinzeit und wurde auf 5000 vor Christus datiert.

Die Ausgrabungsstätten sind über das ganze Land verteilt und viele Exponate sind in diversen Stadtmuseen zu besichtigen. Die Funde lassen darauf schließen, dass es in den VAE in vorislamischer Zeit mehrere Kulte, so zum Beispiel auch Schlangenkulte, gab. Die Zentren der arabischen Kultur lagen zwischen ca. 3000 vor Christus bis ca. 600 nach Christus in Mesopotamien und der heutigen Golfregion, dem Jemen und Al-Sham (heute Syrien, Palästina, Libanon und Jordanien). Die meisten Ausgrabungsstätten sind bis heute nicht für die Öffentlichkeit zu besichtigen. Ein Grund dafür ist, dass die archäologischen Ausgrabungen erst in den 1960er Jahren begannen und viele Stätten deshalb bis heute noch in Bearbeitung sind. Die meisten archäologischen Teams in den VAE kommen aus Europa.

Wer detaillierte Informationen und Fotos von Ausgrabungen in den VAE sucht, sollte folgende Internetseiten besuchen:

www.adias-uae.com/adiasgallery.html Offizielle Seite von Abu Dhabis Regierung für archäologische Ausgrabungen. Hier kann man auch Fotos der 7000 Jahre alten Stätte auf Marawah sehen.

Dubai 1940

Schon zu Lebzeiten des Propheten Mohammeds, der 632 nach Christus starb, hat der Islam die Arabische Halbinsel für sich gewonnen. Die Einwohner der Golfregion sind seit den Lebzeiten des Propheten Mohammed vornehmlich Muslime,  was gleichzeitig die vorislamischen Götzenkulte beendete. Der Portugiese Vasco da Gama, der 1497 den Seeweg nach Indien entdeckte, leitete mit seiner Ankunft die Präsenz der Portugiesen in der gesamten Golfregion ein. Der Portugiese Alfonso de Albuquerque begab sich zusammen mit seiner Flotte in die Golfregion, um die strategisch günstig gelegene Gegend zu erobern. Auf seinen grausamen Eroberungsreisen hinterließ er auch in den heutigen VAE blutige Spuren. Die Portugiesen errichteten in den von ihnen eroberten Gebieten ansehnliche Festungsanlagen, die bis heute in der gesamten Golfregion gut erhalten sind und oft zu Museen umfunktioniert wurden.

1622 lieβen sich erstmals die Briten, beziehungsweise die Flotte der Ost-Indischen Gesellschaft, in der Golfregion nieder. Gemeinsam mit Schah Abbas von Persien verdrängten sie die Portugiesen aus der Region. Bereits im darauffolgenden Jahr richteten die Briten in verschiedensten, strategisch wichtigen Siedlungen offizielle Außenposten ein, deren Zweck es war, Beziehungen zu regionalen Stammesherrschern aufzubauen.

Die Stadt Dubai war regional seit Beginn des 18. Jahrhunderts als Fischerdorf und Perlentaucherzentrum mit einer Handelsgemeinde bekannt. In Europa wurde das Gebiet der heutigen VAE ab Ende des 18. Jahrhunderts bis ins frühe 19. Jahrhundert auch als „Piratenküste“ betitelt. Die damals äußerst kriegerischen Stämme und Seefahrer des Golfes, die auch untereinander um Territorien kämpften, waren bekannt und gefürchtet. Die Einheimischen selbst jedoch, nannten den Küstenabschnitt „Küste von Oman“. Ab 1820 wurde die Küste dank Seefriedensverträgen zwischen den Briten und den hiesigen Stämmen als „Waffenstillstandsküste“ oder „Trucial Coast oder Trucial States“ bekannt. Die Verträge waren für die kleinen und kriegerischen Stämme eine willkommene Vereinbarung. Großbritannien beschützte mittels ihrer Flotte und ihrer politischen Vertretungen die Staatsgebiete hauptsächlich vor feindlichen oder ausländischen Kräften, benachbarten Scheichtümern oder Übergriffen auf See während der Saison der Perlentaucherei. Gleichzeitig vertraten die Briten die Scheichtümer im Ausland, womit sie eine wichtige politische Beraterfunktion in der gesamten Golfregion eingenommen hatten.

Dubai war bis 1833 dem Scheichtum Abu Dhabi zugehörig. Der damalige Befehlshaber von Dubai war ein Mann namens Mohammed Bin Hazza. 1833 wurde der Herrscher von Abu Dhabi, Scheich Tahnoon Bin Shachbut, ermordet. Dies hatte eine Entzweiung der dort ansässigen Stammesföderation, der Bani Yas, zur Folge.

Noch im selben Jahr hat sich deshalb eine Gruppe von ungefähr 800 Mitgliedern des Stammes Al Bu Falasah (ein Zweigstamm der Bani Yas) in Dubai niedergelassen. Die Anführer dieser Siedlergruppe waren Maktoum Bin Butti und Obaid Bin Saeed Bin Rashid. Durch die Ansiedlung der 800 Stammesmitglieder der Al Bu Falasah in Dubai, hat sich  die damalige Einwohnerzahl verdoppelt.

Bereits drei  Jahre später, 1836 ist Obaid Bin Saeed Bin Rashid verstorben und Maktoum Bin Buti wurde zum alleinigen Herrscher über Dubai. Er hat bis zu seinem Tode im Jahre 1852 über das neue Territorium geherrscht und gilt offiziell als erster Herrscher von Dubai. Sein Name „Maktoum“ wurde zum Stammesnamen all seiner Nachfolger – Al Maktoum, der Name der bis heute regierenden Herrscherfamilie von Dubai.

Bastakia

Die Herrscher Dubais lebten in Shindagha (Aussprache: Schindaga), einem Gebiet das heute zu einer Art Freilichtmuseum umfunktioniert und restauriert wurde. Shindagha liegt strategisch sehr vorteilhaft, direkt am Eingang des Creeks (Meeresarm). Dank dieser idealen Lage hatte die Herrscherfamilie Kontrolle über die Handelsschiffe und Perlentaucherboote.

Für die zahlreichen Handelsboote (Dhows, Aussprache: Daus) stellte der Creek eine der sichersten Ankermöglichkeiten in der Region dar.

Während des 19. Jahrhunderts erlebte Dubai dank der regionalen Perlentaucherei einen bedeutenden Wirtschaftsaufschwung. Ungefähr 3000 Boote wurden für diese lukrative Tätigkeit eingesetzt. Die meisten Taucher verließen Dubai auf ihren Booten im Mai und kehrten erst Mitte September zurück. Die Perlentaucher konnten sich während dieser Monate dank Frischwasserquellen im Arabischen Golf und Fischfang verpflegen. Der Wirtschaftsaufschwung der Küstenregionen lockte viele Beduinen aus dem Landesinnern an, die zunehmend bereit waren, ihren nomadischen Lebensstil hinter sich zu lassen um als Perlentaucher ihren Alltag zu bestreiten. Dieser Trend hatte schließlich zur Folge, dass das traditionelle Nomadenleben in der Region langsam aber sicher ausstarb. Aus historischen Berichten ist zu entnehmen, dass bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch 10 % der Bevölkerung Nomaden waren.

1892 konnten die Briten mittels weiterer Verträge mit Stammesfürsten, jegliche europäische Konkurrenz in der Region ausschalten. Der Exklusiv-Vertrag verpflichtete die Scheichtümer am Golf, ausschließlich britischen Firmen und britische diplomatische Vertretungen zuzulassen. Die Briten erhielten jedoch nicht das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten der Regenten einzumischen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich in Dubai zahlreiche Einwanderer aus Iran, Indien und anderen Ländern niedergelassen. In Deira zählte der Souk (Markt) bereits über 300 Geschäfte und war somit einer der größten in der ganzen Region. 1902 wurden im benachbarten Bandar Lingeh, im Süden Irans, hohe Zollgebühren eingeführt, was den Handel im steuerfreien Dubai noch mehr ankurbelte. Die iranischen Einwanderer haben sich mehrheitlich in Dubais Wohnviertel Bastakia niedergelassen. Das ehemalige Wohngebiet hat bis heute seinen Namen beibehalten. Es wurde nämlich nach der südwestlichen Region Irans benannt, aus der die Einwanderer stammten: Bastak. Die indischen Einwanderer dominierten vor allem den Handel in den Geschäften. Dies hat sich bis heute kaum geändert.

Ehemaliger Herrscher von Dubai, Scheich Saeed Bin Maktoum Al Maktoum, gestorben 1958.

1930 wies Dubai eine Bevölkerung von ca. 20 000 Menschen auf, wovon ca. 25 % Einwanderer waren. Seit Ende der 1930er, mit der Einführung der japanischen Zuchtperle, ist die Perlentaucherei in der Golfregion ausgestorben. Goldhandel und Schmuggelgeschäfte zählten bis zur Entdeckung des Erdöls zu den Haupterwerbszweigen. Nach dem zweiten Weltkrieg begann die verstärkte Suche nach Öl auf der Arabischen Halbinsel. Die Briten entsandten vermehrt Sicherheitstruppen und politische Vertreter in die Region. 1951 gründeten die Briten den „Trucial States Council“, einen Rat der lokalen Stammesführer, der zweimal jährlich tagte.

Obwohl Dubai zu den größten Handelszentren der Region zählte, gab es bis dahin immer noch keinerlei Infrastruktur wie Elektrizität, fließendes Wasser, Telefon, Schulen, Straβen, Krankenhäuser usw. 1958 wurde Seine Hoheit Scheich Rashid bin Saeed Al Maktoum Herrscher von Dubai. Ihn nennt man bis heute immer noch liebevoll “Vater von Dubai”, da er die Grundsteine für die moderne Entwicklung von Dubai gelegt hat.

1966, unter seiner Herrschaft, wurde erstmals ein Ölfeld vor der Küste Dubais entdeckt. Auf einmal stand dem Emirat sehr viel Geld zur Investition zur Verfügung, was einen enormen Bauboom zur Folge hatte. Es musste alles gebaut werden, was zu einer modernen Stadt gehören soll: Flughafen, Hafen, Schulen, Krankenhäuser und Straβen, all das in der Rekordzeit von wenigen Jahren. Der seit 1966 anhaltende Bauboom der Stadt ist einer der Hauptgründe, wieso es bis heute so viele Gastarbeiter gibt. Die Einheimischen von Dubai hätten diesen gigantischen Bauboom alleine nicht bewältigen können. Sie waren damals, so wie auch heute, ein zahlenmäßig sehr kleines Volk. Bis in die 1960er waren die meisten Einwohner Analphabeten.

Gründungstag der Emirate

Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate 1968 kündigten die Briten ihren Rückzug aus dem Golf an. Der 1892 vereinbarte Schutzvertrag zwischen den Scheichtümern und Großbritannien war nur noch bis 1971 gültig. Die Scheichtümer, die nun langsam aber sicher wieder auf sich selbst gestellt sein würden, suchten nach einer Lösung, um in der Region weiterhin politische Stabilität zu gewährleisten.

Unterschriften der Herrscher auf der Gründungsurkunde der VAE

Am 18. Februar 1968 traf sich deshalb der damalige Präsident, Seine Hoheit Scheich Zayed Bin Sultan Al Nahyan und der 1990 verstorbene Scheich Rashid Bin Saeed Al Maktoum, damaliger Herrscher von Dubai in Al Shamha, auf halbem Weg zwischen Abu Dhabi und Dubai. Sie trafen die Vereinbarung, daß die beiden Emirate hinsichtlich Außenpolitik, Verteidigung, innerer Sicherheit, Bildungswesen und öffentlicher Dienstleistungen zusammenarbeiten würden. Das Abkommen sollte auch andere Emirate mit einschließen. Im Juli 1971 trafen sich die herrschenden Scheichs von sechs Emiraten, um eine eventuelle Föderation und deren Konstitution zu besprechen. Eine Vereinigung der Stammesterritorien schien eine vernünftige Lösung darzustellen. Die Scheichtümer von Bahrain und Katar haben diesen Vorschlag jedoch ausgeschlagen und sind bis heute unabhängig geblieben.

Am 2. Dezember 1971 stimmten die sechs Emirate Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Fujairah und Umm-al-Quwain der Landesgründung zu. Zwei Monate später hat sich auch das Emirat Ras Al-Khaimah der Föderation angeschlossen. Die VAE  setzen sich seither aus diesen sieben Emiraten zusammen.

Am 2. Dezember 1971 wurde die Flagge der VAE erstmalig gehisst. Das 18. Mitgliedsland der Arabischen Liga und das 132. Mitglied der Vereinten Nationen war geboren. Die Versammlung zur Landesgründung am 2. Dezember 1971 fand in Dubai im Unionshaus (Union house) statt, das sich direkt am Meer neben dem Stadthafen befindet.  Der 2. Dezember ist seither der Nationalfeiertag der Vereinigten Arabischen Emirate.