Ganz (un)diplomatisch

Wer als Ausländer in den Emiraten lebt, kommt früher oder später in Kontakt mit dem eigenen Konsulat oder der eigenen Botschaft. Die meisten Diplomaten in den VAE bleiben für eine Amtszeit von jeweils 3 Jahren, wonach sie in der Regel einer anderen Aufgabe nachgehen, bzw. ersetzt werden.
In den letzten 15+ Jahren haben wir immer wieder unsere „Stories“ gehört – und auch selbst erlebt- von diversen diplomatischen Faux-pas. Wer, wie, wann und weshalb als Diplomat in die VAE entsandt wird, ist für den Laien oft sehr undurchsichtig. Eigentlich wäre es naheliegend, daß man gut qualifizierte und vor allem kulturell kompetente Leute in die VAE schickt, denn das Land gilt ja allgemein als wichtiger Handelspartner in Nahost für zahlreiche Nationen weltweit.
Leider ist dies nicht immer der Fall. Ein kompetenter Diplomat ist nicht immer unbedingt der, der die meisten Jahre im auswärtigen Dienst auszuweisen hat. Dennoch, ein islamisches Land wie die Vereinigten Arabischen Emirate bietet zweifelsohne viel Raum für diplomatische Fettnäpfchen. Diese bleiben nicht immer ohne Folgen. Folgen für die Diplomaten selber als auch Folgen für den Ruf des eigenen Landes und den Stellenwert der diplomatischen Beziehungen zwischen den Nationen.
Wer sich mit den Diplomaten schlussendlich abfinden muss, sind die Behörden in den VAE und die weitere Bevölkerung (in Visafragen etc.) plus in erster Linie die eigenen Staatsbürger im Land. Um so erstaunlicher ist es, daß die Staatsbürger beliebiger Nationen „kein Sagen“ haben, wenn es um die Kompetenz der eigenen diplomatischen Vertretung geht. Idealerweise sollten die Bürger des Landes ein Mitspracherecht/Wahlrecht haben wenn es um die eigene Vertretung im Land geht. Wenn ein Diplomat schlecht arbeitet und von der eigenen Gemeinde und den Behörden in den VAE so empfunden wird, warum soll er dann drei oder noch mehr Jahre im Amt bleiben?
Nicht jeder Diplomat ist sich des Gewichts eines Postens im Ausland bewusst. Manche machen hier eher Urlaub oder schreiben ihre Bücher, besuchen eine Veranstaltung nach der anderen um abgeblitzt zu werden in den Society-Magazinen…oder machen sich einen Namen im Fallschirmspringen. Jedem grad so wie’s passt.

Ein anderer Punkt der auch bemerkenswert ist, ist die Tatsache, daß viele Diplomaten mit Bürgern anderer Nationalität verheiratet sind oder einfach nur so zusammenleben ohne Trauschein, obwohl dies hier ja strafbar ist für den normalen Pöbel. Es gibt auch Nationen, in denen Diplomaten nicht mit Staatsbürgern anderer Nationen verheiratet sein dürfen. Ob es richtig ist oder nicht, sollen die zuständigen Länder urteilen aber eins ist sicher, Interessenkonflikte durch solche Ehen sind naheliegend.
Beispiel: Ein europäischer Diplomat ist in den VAE mit einer Afghanin verheiratet. Sie genießt diplomatischen Schutz und kann so (neben ihrer Aufgabe als Diplomatenfrau) zahlreiche „Deals organisieren“, da z.B. Dubai ein wichtiges Drehkreuz für Kriegsmaterialien in ihr Land ist. Ist zwar nur ein Beispiel aber es gibt hier ähnliche Konstellationen, die nicht nur den Bürgern vor Ort ein Dorn im Auge sind.
Zudem finden es viele in den VAE nicht so prickelnd, daß sie sich mit dem Partner ihres eigenen Botschafters/Konsuls/Militärattachees etc. nicht in der eigenen Landessprache unterhalten können.
Von den Ehepartnern der Diplomaten im Land darf doch eine gewisse öffentliche Verantwortung (Empfänge etc.), Konversation in der Landessprache und ein dementsprechend angemessenes Benehmen erwartet werden?

Zu guter Letzt gibt’s da noch die Sache mit den „Nebenverdiensten“. Erst heute berichten die deutschsprachigen Medien über den neusten Fall, des Deutschen Vizekonsuls in Dubai (Martin Tscherner), der in Deutschland inhaftiert wurde. Lest die Geschichte z.b. hier nach.
Im Zweifel für den Angeklagten. Das ist sicher. Aber vielleicht werden die auswärtigen Aemter in aller Welt in Zukunft ein wenig auf die eigenen Staatsbürger im Ausland hören. Missstände sind vor Ort meistens schon bekannt, lange bevor sie so undiplomatisch in den Medien enden.

Aber wie sagt ein Sprichwort so passend:

Der wahre Diplomat kann mit Leichtigkeit beweisen, daß es falsch wäre, das Richtige zu tun.

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