Emirates Environmental Group (EEG)

Im Juni 2003 besuchte ich den Umweltschutzverband (EEG – Emirates Environmental Group) in Dubai. Der EEG ist eine ehrenamtliche und gemeinnützige Privatorganisation. Zu den Haupttätigkeiten des Verbandes zählen Öffentlichkeitsarbeit im Umweltschutzbereich und Aktivitäten in Miteinbezug der lokalen Bevölkerung. Der EEG ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten einzigartig und nimmt im Umweltschutzbereich eine bedeutende Pionierrolle ein.

Das folgende, aus dem Englischen übersetzte Interview wurde mit der VAE-Staatsbürgerin Habiba Al Marashi geführt, die seit Ende 1995 Vorsitzende des Verbandes ist.

Der Umweltschutzverband existiert bereits seit September 1991. Wer war der Gründer? Wir waren eine multinationale Gruppe von 12 Personen, mehrheitlich Frauen, die beschlossen haben, etwas Gutes für die Umwelt zu tun um dieses ansehnliche, noch sehr junge Land für die nächsten Generationen zu erhalten. Wir teilten alle den Wunsch, den VAE etwas von uns zurückzugeben. Unser Ziel war es in erster Linie, eine pro-aktive Vorreiterrolle im Umweltschutz einzunehmen. Ein zentraler Punkt unserer Arbeit besteht aus der Implementierung umweltbezogener Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche, beziehungsweise für Schulen und Universitäten. Von den 12 Gründungsmitgliedern sind heute jedoch nur noch drei im Land und ich bin eine davon.

Welche bisherigen Leistungen des EEG würden Sie als besonders erfolgreich bezeichnen? Wir haben das Umweltbewusstsein in den VAE gefördert und die Belange des Umweltschutzes in das öffentliche Interesse gerückt. Der Umweltschutz steht heute, dank unseren Aktivitäten, auf der Agenda aller Entscheidungsträger im Lande. Die Bevölkerung der VAE ist überdurchschnittlich multikulturell und der Zuwanderungstrend ist steigend. Deshalb zählt für uns das verbesserte Bewusstsein im Umweltschutzbereich zu den gröβten Errungenschaften.

Wie haben die Schulen, die Bevölkerung und die Regierung auf eure Aktivitäten reagiert? Die allgemeine Resonanz war seit Gründung des EEG sehr positiv. Die Regierung hat zum Beispiel dank unseren Aktivitäten zahlreiche Regelungen und Gesetze zum Umweltschutz in Kraft gesetzt. Die Bevölkerung hat sich über die Jahre zunehmend an unseren Programmen beteiligt und unsere Mitgliederzahl steigt stetig an. Unsere regelmäβigen Veranstaltungen und Vorträge sind immer gut besucht und werden auch in den Medien dokumentiert. Die Schulen und Universitäten sind jedoch bis heute unsere bedeutendsten Unterstützer. Unsere Bildungsprogramme wurden in den meisten Schulen implementiert. Die Aufklärungsarbeit beschränkt sich dabei nicht nur auf Hochschulen, sondern zieht vom Kindergarten bis zur Universität alle Bildungsinstitute mit ein, egal ob öffentlich oder privat.

Viele VAE-Bürger sind nicht über die Existenz des EEG informiert. Woran liegt das? Wir haben nie eine aggressive Marketingkampagne verfolgt. Über unsere Aktivitäten wird aber immer in den lokalen Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und TV-Stationen berichtet. Zudem organisieren wir ja auch viele Vorträge und Seminare. Unsere Website ist ebenfalls ein wirksames Mittel, um auf uns aufmerksam zu machen. Jeder Bürger, der Interesse am Umweltschutz hat, wird hier oder dort schon mal von uns gehört haben. Meiner Einschätzung zufolge sind wir jedoch der englischsprachigen Gemeinde besser bekannt, als der arabischsprachigen.

Gibt es in den VAE öffentliche Ämter, die sich dem Umweltschutz widmen? Ja, in den VAE gibt es zahlreiche öffentliche Ämter, die sich dem Umweltschutz widmen. Die oberste Instanz im Land ist die FEA (Federal Environmental Agency), deren Hauptsitz in der Hauptstadt Abu Dhabi ist. Zusätzlich gibt es in jedem der sieben Emirate ein Amt, das sich um die Belange des Umweltschutzes kümmert. Die FEA ist als oberste Umweltbehörde dafür zuständig, neue Gesetze und Regelungen landesweit zu implementieren. Die FEA wurde 1993 gegründet, also erst zwei Jahre nach uns! Im Jahr 2002 wurde außerdem ein Nationalkomitee für Umweltschutz gegründet (National Committee for Environmental Strategy and Sustainable Development). In diesem Komitee sind sämtliche Ämter, Ministerien und Organisationen aus dem Umweltschutzbereich vertreten. Momentan zählt es 29 Mitglieder. Auch wir sind Mitglied dieses Nationalkomitees.

Wie sieht es in den anderen Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) aus, gibt es dort Organisationen wie die eure? In den Golfstaaten gibt es leider noch sehr wenige. Wir haben jedoch bereits gemeinsame Konferenzen organisiert und tauschen auch regelmäβig unsere Publikationen aus. Das selbe gilt auch für andere arabische Länder wie Jordanien oder Ägypten.

Sind in den VAE auch internationale Umweltschutzorganisationen vertreten? Das UNDP (UNO-Institution für Entwicklungszusammenarbeit) ist in Abu Dhabi vertreten. Abu Dhabis Umweltbehörde (ERDWA) arbeitet auch mit dem WWF zusammen, der ebenfalls in Abu Dhabi ansässig ist.

Organisiert ihr in den VAE internationale Umweltkonferenzen? 1998 haben wir die für uns sehr bedeutende Konferenz über Ökotourismus, (ECO-Tourism), organisiert. Die Konferenz war sehr gut besucht. Wir möchten im Bereich Konferenzen gerne eine aktivere Rolle einnehmen, sind jedoch durch unsere limitierten finanziellen Mittel noch nicht dazu in der Lage. Wir sind jedoch immer gerne dazu bereit, an internationalen Konferenzen im Ausland teilzunehmen und wurden diesbezüglich auch schon öfters eingeladen.

Wie muss man sich eure Zusammenarbeit mit der Regierung vorstellen? Wir arbeiten an gemeinsamen Zielen und Projekten. Wir haben zum Beispiel die Altpapier- und Recyclingprogramme eingeführt, die die Aktivitäten der Regierung unterstützen. Unsere Organisation arbeitet zudem mit den Ämtern aller sieben Emirate zusammen, nicht nur ausschlieβlich mit Dubai.

Der EEG ist eine gemeinnützige Organisation, die vom Staat nicht finanziell unterstützt wird. Wie finanziert ihr euch? Diese Frage wird uns sehr häufig gestellt. Wir haben uns unsere eigenen Wege geschaffen, um den finanziellen Aspekt abdecken zu können. Bemerkenswert ist, dass wir keine karitative Organisation sind, die Spenden von ihren Gönnern entgegen nimmt. Wir haben bisher auch noch nie Benefizveranstaltungen durchgeführt. Eine unserer Einnahmequellen ist die alljährliche Mitgliedschaftsgebühr, die in drei Hauptkategorien angeboten wird: Individuen in den VAE, Firmen in den VAE, und internationale Mitglieder. Die Mitgliedschaftsgebühren sind sich seit der Gründung im Jahre 1991 gleich geblieben und sind sehr günstig. Eine Mitgliedschaft für eine Einzelperson kostet pro Jahr lediglich 50 Dhs, was nicht einmal die Portogebühren für den Versand unserer Verbandszeitschrift abdeckt. Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit bietet sich uns durch die Verbandszeitschrift, bei der Firmen jeweils eine Seite sponsern können.

Was bietet die Mitgliedschaft beim EEG?

Die Mitglieder erhalten unsere Verbandszeitschrift ???Waste Paper“ und werden monatlich über alle Aktivitäten des EEG per E-Mail informiert. Zudem werden sie zu allen Vorträgen, Lesungen und Aktivitäten eingeladen und können somit auch wertvolle Kontakte knüpfen und sich ein fundiertes Wissen über Umweltschutzbelange aneignen.

Welche Länder würden Sie hinsichtlich Umweltschutz als vorbildlich bezeichnen? Die skandinavischen Länder, die Schweiz, Deutschland, Kanada und Malaysia. Es gibt auch Länder, die keineswegs beispielhaft für den Umweltschutz sind und die Anführer dieser Liste sind zweifelsohne die USA.

Gibt es in den VAE für die Öffentlichkeit einsehbare und umfassende Statistiken hinsichtlich Umweltschutz? Abu Dhabi hat im Jahre 2002 beim Weltgipfel in Johannesburg eine globale Initiative zur Etablierung einer zentralisierten, internationalen Datenbank initiiert und dafür erst einmal 5 Millionen Dollars zur Verfügung gestellt. Dieses Projekt wird voraussichtlich noch sehr viele Jahre in Anspruch nehmen und involviert sehr komplizierte Arbeitsgänge. In den VAE gibt es bisher jedoch noch keine zentralisierte Datenbank oder landesweite Statistiken zum Umweltschutz. Jedes Emirat fertigt seine eigenen Studien und Statistiken und um diese einzusehen, muss man sich an die örtlichen Ämter wenden.

Was stellt für den Umweltschutz in den VAE die gröβte Herausforderung dar? Die gröβte Herausforderung ist es, das Verhalten der Menschen positiv zu ändern und den Umweltschutz zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihres Lebens zu machen.

In vielen westlichen Ländern ist zum Beispiel die Hausmülltrennung, der Sondermüll oder das Recycling bestimmter Materialien ein Muss. Solche Gesetze gibt es in den VAE immer noch nicht. Weshalb? Keiner weiβ, wie lange es noch dauern wird, bis solche Gesetze hier eingeführt werden. Aus diesem Grund hat der EEG seine eigenen Initiativen eingeführt, die in der Gesellschaft neue Maβstäbe gesetzt haben und auch von vielen Bürgern in Anspruch genommen werden.

Was muss man sich unter euren Recyclingprogrammen und Altpapiersammlungen vorstellen? Die Umsetzung der Programme erfordert zunächst einmal, dass wir mit vielen Firmen und Individuen zusammenarbeiten, ohne deren Hilfe wir die Projekte niemals realisieren könnten. Die Recyclingfirmen wollen das Rohmaterial, da sie damit viele Kosten sparen und die Transportfirmen sammeln die Rohmaterialen für uns ein. Selbstverständlich ist für uns auch der Konsument von Bedeutung, denn er sammelt die Rohmaterialen. Die Regierung ist daran interessiert, das Recycling zu fördern, da es dem Staat viele Kosten erspart und die Umweltbelastung mindert.

Konkret sieht es wie folgt aus. Wir haben in vielen Schulen groβe Sammelstellen für Plastikflaschen, Altpapier und Dosen eingerichtet. Die Sammelstellen verfügen über ein Fassungsvermögen von jeweils 500 kg pro Rohmaterial und werden von lokalen Firmen gesponsert.

Für Individuen und Firmen haben wir groβe Sammelschachteln für Altpapier entworfen, die für einen einmaligen Umkostenbeitrag von 150 Dhs erworben werden. Sobald die Sammelschachteln voll sind, lassen wir das Altpapier abholen. Beim Abholen des Altpapiers wägen wir die gesammelte Menge und tragen diese in unsere Datenbank ein, die Ende jedes Monats ausgewertet wird. An den Altpapiersammlungen beteiligen sich momentan 100 Firmen und Individuen landesweit, zusätzlich der 57 Schulen.

Die Firmen, Schulen oder Privatpersonen, die am meisten Rohmaterialien sammeln, werden von uns alljährlich ausgezeichnet und erhalten nützliche Preise wie zum Beispiel Laptops oder Flugtickets. Die Sieger in der Kategorie Altpapiersammlung für Einzelpersonen im letzten Jahr, waren zwei junge Mädchen, die 1000 kg Altpapier aus der eigenen Wohngegend eingesammelt haben. Wir arbeiten auch daran, weitere Sammelinitiativen für andere Materialien wie zum Beispiel Elektronikgüter einzurichten. Leider haben wir bis zum heutigen Tag keine Firmen gefunden, die sich bereit erklärt hätten, solche Güter einzusammeln, bzw. wiederzuverwerten.

Kooperiert ihr mit privaten Firmen aus dem Umweltschutzbereich an der Umsetzung kommerzieller Projekte in den VAE? Ja, wir unterstützen alle Projekte und Aktivitäten, die sich im Rahmen unserer Strategie bewegen und letztendlich der Umwelt zu Gute kommen. In diesem Rahmen können wir uns auch Partnerschaften mit kommerziellen Firmen vorstellen.

Wie sehen eure Ziele für die Zukunft aus? Wir haben einen Jahresplaner, in dem wir uns unsere Ziele für das laufende Kalenderjahr eintragen. Dieser Jahresplaner wird immer umfassender und deckt immer weitergreifende Aufgaben im Umweltbereich ab. Wir wünschen uns für die Zukunft in erster Linie, dass der EEG eine international anerkannte Organisation wird und dass wir in den VAE weiterhin als Vorreiter gelten werden. Wir wünschen uns, dass der Umweltschutz für alle ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags wird. Wir hoffen auch, dass die VAE in Zukunft weltweit eine Vorreiterrolle in Umweltschutzbelangen einnehmen wird.

Wie sahen Ihre lustigsten und ihre traurigsten Momente im EEG aus? Ich durfte sehr viel Schönes und auch Lustiges im EEG erleben. Die traurigsten Momente sind die, wenn sich die Bevölkerung nicht an unseren Aktivitäten beteiligt, obwohl sie darüber informiert ist.

Sie sind nicht nur die Vorsitzende dieses Vereins, sondern auch Ehefrau und Mutter von vier Kindern. Für viele einheimische Frauen sind Sie ein Vorbild, da sie eine aktives Mitglied der Gesellschaft sind. 2003 wurden Sie sogar mit dem Emirates „Businesswomen Award“ ausgezeichnet. Wie kriegt man so viel Engagement unter ein Dach? Der Umweltschutz lag mir schon immer am Herzen. Als sich mir die Möglichkeit bat, den Vorsitz dieses Vereins zu übernehmen, tat ich dies ohne einen Moment zu zögern. Ich wusste, dass diese Arbeit sehr verantwortungsvoll und auch zeitintensiv ist und ich hatte damals kaum Freizeit, da ich nicht nur eine Familienmutter war, sondern auch noch eine andere Arbeitsstelle in der Regierung hatte, wo ich sehr viele Erfolge verzeichnen konnte und sogar einen Regierungspreis erhielt. Nebenbei führte ich auch noch mein eigenes Blumengeschäft – ich war also alles andere als gelangweilt! Seit Ende 2000 ist die Führung des EEGs zu einem Vollzeitjob geworden. Trotz alledem stehen meine Familie und meine Kinder für mich an allererster Stelle.

 

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